Steuerfalle für Auswanderer: BFH bestätigt erweiterte Steuerpflicht

Wer als Deutscher auswandert und in der neuen Heimat von steuerlichen Vorteilen profitiert, könnte in Deutschland eine unliebsame Überraschung erleben. Der BFH hat entschieden, dass die britische „Remittance Basis“-Besteuerung eine Vorzugsbehandlung darstellt – mit der Folge, dass Deutschland zusätzliche Steuern erheben darf.

Die für Zugezogene nach Großbritannien unter bestimmten Umständen gewährte Vergünstigung, nur das dorthin überführte Einkommen versteuern zu müssen (sogenannte Besteuerung auf "remittance basis"), kann in Deutschland eine kompensierende steuerliche Belastung nach sich ziehen. Dies hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 14.01.2025 (Az. IX R 37/21) entschieden.

Darum ging es im Streitfall

Die Klägerin zog von Deutschland nach Großbritannien. In Deutschland blieb sie dennoch mit ihren hier erzielten Vermietungseinkünften beschränkt einkommensteuerpflichtig. Darüber hinaus besteuerte das Finanzamt Zins- und Dividendenzuflüsse von einer deutschen Bank. Hierzu berief es sich auf die Regelungen zur sogenannten erweiterten beschränkten Einkommensteuerpflicht gemäß § 2 des Außensteuergesetzes (AStG). 

Diese Vorschrift erlaubt es unter bestimmten Voraussetzungen, ins Ausland verziehende deutsche Staatsangehörige für einen Zeitraum von zehn Jahren auch mit allen nicht-ausländischen Einkünften zu besteuern, wenn sie im Ausland einer niedrigen Besteuerung unterliegen. Das Finanzamt meinte, die Klägerin würde in Großbritannien bevorzugt besteuert, da sie von dem dort nur für Zugezogene geltenden Privileg profitierte, die streitigen Kapitalerträge nicht versteuern zu müssen. Grund hierfür war, dass die Klägerin dieses Einkommen nicht nach Großbritannien überwiesen ("remittet") hatte. Das Finanzgericht wies die Klage ab.

BFH stärkt deutsche Steuerpflicht

Die Revision der Klägerin hatte keinen Erfolg. Der BFH entschied, dass die britische Besteuerung des Einkommens auf "remittance basis" eine Vorzugsbesteuerung im Sinne von § 2 AStG sei. Es handele sich um eine der Allgemeinheit in Großbritannien nicht zugängliche steuerliche Besserstellung von zugezogenen Steuerpflichtigen, die dort nicht beheimatet ("non-domiciled") sind. Im Hinblick auf die vollständige steuerliche Freistellung des nicht nach Großbritannien transferierten Einkommens könne – wie § 2 AStG voraussetzt – die gesamte Steuerbelastung erheblich gemindert werden. Dieser Vorteil solle durch die erweiterte beschränkte Einkommensteuerpflicht ausgeglichen werden. Die von der Klägerin vorgebrachten Zweifel an der Verfassungs- und Unionsrechtskonformität von § 2 AStG teilte der BFH nicht.

Hinweis: Wer ins Ausland zieht, sollte nicht nur die steuerlichen Vorteile des neuen Wohnsitzes, sondern auch mögliche Steuerpflichten im Herkunftsland berücksichtigen. Besonders die erweiterte beschränkte Steuerpflicht kann für deutsche Staatsbürger bedeuten, dass sie trotz Umzugs noch Jahre lang in Deutschland Steuern zahlen müssen. Eine frühzeitige Beratung hilft, finanzielle Überraschungen zu vermeiden.

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